Einladung zur Ausstellungseröffnung

Wir laden Euch herzlich zur Ausstellungseröffnung „Kinder im KZ Theresienstadt – Zeichnungen, Gedichte, Texte“ am 18. Oktober 2014 um 19:00 in die Nadelfabrik (Reichsweg 30, 52068 Aachen) ein. Die vom Studienkreis Deutscher Widerstand erarbeitet Ausstellung beinhaltet 15 Tafeln, die durch Kinderzeichnungen, Gedichte und Texte einen Einblick in die Lebensrealität von 11.000 Kindern bieten, die in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt wurden.
Das Konzentrationslager bestand von November 1941 bis zum 8. Mai 1945, als es durch die Rote Armee befreit wurde. Das Lager galt in der nationalsozialistischen Propaganda als relativierendes „Musterbeispiel“, welches auch mehrmals ausländischen Beobachtern vorgeführt wurde, um zu zeigen, dass die Unterbringung der deportierten Menschen humanitäre Standards erfüllte. Die grausame und menschenverachtende Realität in der umfunktionierten Festung sah jedoch anders aus. Der eigentliche Zweck innerhalb des Lagersystems bestand darin als Übergangslager für die weiteren Deportation in die Vernichtungslager, wie beispielsweise Auschwitz – Birkenau, zu fungieren.
An diesem Abend ist es uns eine große Ehre die Zeitzeugin Edith Erbrich, welche auch als Kind von den Nazis ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt wurde, bei der Ausstellungseröffnung begrüßen zu dürfen. Sie wird von ihren Erinnerungen berichten.
Im Anschluss an das Gespräch mit Frau Ebrich habt Ihr die Möglichkeit die Ausstellung zu besichtigen.

Zur Person Edith Erbrichs:
Edith Erbrich wurde am 28. Oktober 1937 in Frankfurt am Main geboren. Dort lebte sie mit ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer Schwester Hella bis sie am 14. Februar 1945 im Alter von sieben Jahren von den Nazis kurz vor Kriegsende ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Sie musste sich mit ihrer Familie in der Großmarkthalle in Frankfurt einfinden. Sie wurden daraufhin in Viehwaggons getrieben. Bereits an dieser Stelle wurde die Familie getrennt. Die Nazis verwehrten der Mutter trotz Bitten die Mitfahrt, weil sie nicht-jüdisch war.

„Schlimm, Schrecklich, Grausam. Ich weiß noch genau wie wir von der Uhlandstraße zur Großmarkthalle gelaufen sind. Die Straße war schwarz voller Menschen…Die SS wusste genau, welche Menschen deportiert wurden. Ich hielt mich an der Hand meiner Mutter und schaute sie an, als ob ich mir ihr Gesicht einprägen wollte. Meine Mutter wollte freiwillig mit und durfte nicht. In der Großmarkthalle ging alles sehr schnell. Die Viehwaggon standen bereit. Wir mussten in die Viehwaggon einsteigen. Es waren zwischen 30 und 40 Menschen. Im Waggon war kein Stroh. Es waren blanke Holzbalken. Die Türen wurden zu geschlagen; der Riegel zu geschoben. Den Riegel höre ich heute noch. Es war dunkel…Die Menschen waren erstarrt oder haben geweint. Die Tür ging noch mal auf und der SS-Mann schrie: ‚Hebt die beiden Kinder noch mal hoch. Die Mutter will sie noch mal sehen.‘ Ich sah, wie meine Mutter weinte…Durch die Holzblanken konnten man sehen wie der Zug gefahren ist. Es war Februar und kalt. Wir haben gefroren und haben uns aneinander gekauert. Das Schlimme war die Erstarrtheit der Menschen…Wir mussten unsere Notduft im Waggon verrichten…Die Männer hatten Zeitungspapier und wir warfen es aus dem Fenster. Er war unmenschlich…Einmal hat der Zug gehalten und es mussten allen aussteigen. Diejenigen, die es bis dahin nicht überlebt hatten, wurden einfach ‚entsorgt‘ und den Abhang heruntergeworfen. Und Fertig. Der Nächste Halt war dann Theresienstadt…“ (Originaltext von http://www.mit-der-reichsbahn-in-den-tod.de/erbrich.html)

Nach tagelanger Fahrt erreichte der Transport das Konzentrationslager Theresienstadt. Dort wurden die beiden Mädchen vom Vater getrennt. Ihnen wurden die Köpfe kahl geschoren. Edith Erbrich erinnert sich, dass die Aufseherinnen sehr brutal mit den Menschen umgingen. So musste sie ein Mal beispielsweise den Boden mit einer Zahnbürste schrubben. Ihre Schwester Hella musste die ankommenden Waggons säubern und die Leichen heraus schaffen.

Die Familie überlebte nur sehr knapp. Ihr Transport zur Vergasung war für den 9. Mai 1945 vorgesehen. Ein Tag vorher, am 8. Mai 1945, befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Theresienstadt.

Nach der Befreiung kehrt die Familie nach Frankfurt zurück.

Frau Erbrich arbeitet schon seit langer Zeit mit dem Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V. zusammen. Sie berichtet regelmäßig insbesondere vor Schulklassen von ihren Erfahrungen.

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